Wukania-Lernwerkstatt

frei – utopisch – widerständig

Unsere Lernwerkstatt hat als Basis den Projektehof Wukania, in Biesenthal am Wukensee. Die Lernwerkstatt ist ein weiterer Versuch aus der Reihe, voneinander und miteinander zu lernen, wie solidarisches, nichtkommerzielles Leben gehen kann. Dabei drückt das Adjektiv „nichtkommerziell“ nur unzureichend aus, was wir beim gemeinsamen Lernen anstreben: nicht für den Markt und nicht abhängig vom Staat lernen zu wollen, benennt den Widerspruch zum bestehenden (Ver-)Werte-System.

Damit meinen wir nicht nur „nicht marktförmig“ und „nicht staatsabhängig“. Wir stellen das, was uns als „Normalität“ begegnet, in Frage. Wir wissen abstrakt, dass der globale Kapitalismus patriarchal und von den westlichen Industriegesellschaften geprägt ist und auch unser Denken, Wissen und Handeln beeinflusst. Patente auf Pflanzen, Menschenhandel und Kriege sind die Spitze des Eisbergs auf der einen Seite der Medaille. Auf der anderen Seite ist die marktbestimmte Durchdringen unseres Alltags mit all ihren Auswirkungen auf unsere Beziehungen, unseren Begrifflichkeiten und unserer Sprache. Das versuchen wir zu verstehen und uns davon zu befreien, indem wir andere Wertungen setzen.

Wir haben erfahren, dass es Erfahrungswerte und Wissen gibt, die in der kapitalistischen Realität weder wahrgenommen noch geschätzt werden – dafür soll hier Achtsamkeit und Offenheit geschaffen werden. Wir haben auch erfahren, dass neue Denk- und Verkehrsformen in Windeseile hochgelobt und kapitalistisch übernommen werden können – damit wollen wir weniger naiv umgehen. Bildung kann wesentlicher Teil eines emanzipativen Prozesses sein, muss aber nicht. Sie kann zur Ausbildung eines „Untertanenbewusstseins“ missbraucht werden, oder versteht sich selbst als Werkzeug zur Entwicklung von Freiheit in der Abhängigkeit, der Einzelnen vom Kollektiv, des Menschen von der Natur etc. Darum sprechen wir lieber von gegenseitigem Lernen statt von Bildung . Wir wollen eine Kultur des Zuhörens und Lernens entwickeln, mit der Bereitschaft eigene Glaubenssätze in Frage zu stellen.

Das klingt uns selbst schon fast als „Programm“ – davon halten wir wenig. Wir wissen, dass die reale Umsetzung in praktischen Beispielen erprobt werden muss, in kleinen Schritten, mit der Bereitschaft, unseren Kurs immer wieder zu korrigieren.Wir beginnen mit einer Struktur, die nicht trennt zwischen Apparat, Hauptamtlichen und MacherInnen von TeilnehmerInnen, KundInnen und KlientInnen. Alle tragen bei: durch Putzen, Kochen, Vorträge halten, Filme schneiden, Musik machen … – und wer kann: auch zur Kostendeckung. Dies alles jeweils nach den unterschiedlichen Interessen und Möglichkeiten.

Der Versuch, die „Normalität“ zu durchbrechen, soll Handeln und Diskussion prägen. Das wird in jedem Treffen neu ausprobiert und überprüft: in Redeverhalten, Anerkennung, Bewertung, Effizienzdruck … aber auch in dem Gefühl, ob die Treffen Spaß machen, keine ?Arbeit? sind. Grundbedingung ist, die Lernwerkstatt als „umfassendes“ Experiment zu betrachten. Umfassend meint nicht in erster Linie „umfangreich“ – sondern, dass mit Inhalten, Umgang, Form und Organisation, regionaler Verankerung und internationaler Vernetzung experimentiert wird. So vieles gleichzeitig zu versuchen, lässt Überforderung befürchten und löst schon mal den Wunsch aus, die Dinge nacheinander anzugehen. Wir wollen deshalb gemeinsam versuchen, die mit dem Experiment verbundenen, individuellen emotionalen und wirtschaftlichen Risiken zu bewältigen. Wir wollen uns gemeinsam ermutigen,den eigenen Traum, die Utopie zu nutzen, zum orientieren in der Wirklichkeit.

Als nichtkommerzielles Projekt erheben wir grundsätzlich keine TeilnehmerInnengebühren, Übernachtungsgebühren, Essensbeiträge oder ähnliches. Die Teilnahme an Angeboten der Lernwerkstatt ist unabhängig von der Finanzierung der Lernwerkstatt. Da die Lernwerkstatt gleichzeitig unabhängig von Markt und Staat bleiben will, kann sie nur durch die Förderung von UnterstützerInnen existieren. Diese freiwillige Abhängigkeit von Förderern ist so gewollt. Auch alle TeilnehmerInnen sind eingeladen, das Experiment zu unterstützen. Die Prinzipien der Lernwerkstatt und die Möglichkeiten, dieses Experiment zu unterstützen, werden in jeder Veranstaltung zum Thema gemacht

Eigentum ist Diebstahl!
Das gilt auch für sogenanntes geistiges Eigentum. Alle Methoden, die im Rahmen der Lernwerkstatt entwickelt werden und alles Wissen, was in der Lernwerkstatt zusammengetragen wird und entsteht, soll von einer Aneignung als (ver-)käufliche Ware ausgeschlossen werden. Wir bemühen uns dementsprechend die Methoden und Inhalte unter freien Lizenzen wie „creative commons“ zu veröffentlichen. Auch gibt es keinen Autor, alles wird unter einem Kollektivnamen veröffentlicht.

Unseren freien, utopischen und widerständigen Lernzielen können wir uns nicht über die bloße Diskussion politischer Inhalte näherkommen. Wir wollen die umfassende Entfaltung des Menschen. Alle Sinne – für Kunst und Kultur, genauso wie für praktische Fertigkeiten – sollen angesprochen werden. Kommunikation und der Umgang mit Konflikten will erlernt werden. Dementsprechend bunt und vielfältig sollen die Angebote unserer Lernwerkstatt sein. Themen für Seminare werden der Lernwerkstatt von denen vorgestellt, die sie bearbeiten möchten. Auf jeden Fall wird die Belegschaft der Lernwerkstatt Fragen über die jeweilige Zielsetzung, die Formen des Lernens und Austausches an diejenigen richten, von denen die Initiative ausgeht. Fragen und Antworten werden in einer spezifischen Check-Liste archiviert. Damit soll obligatorisch werden, Lernexperimente während ihrer Laufzeit in Zwischenschritten methodisch-kritisch zu reflektieren und eine Abschlussdebatte zu führen:

  • Was haben wir gelernt, was wollten wir uns gegenseitig mitteilen?

  • Welche Form des Austausches haben wir erprobt ? Wie ist es uns damit ergangen?

  • Was hat uns am meisten Spass gemacht ? Wer ist womit unzufrieden?

  • Haben wir etwas Neues oder Bemerkenswertes zu den Begriffen Erfolg, Misserfolg, Anerkennung und Leistung erlebt?

  • Ist etwas anders gewesen als in herkömmlichen Lern-Verhältnissen? War das etwas positives oder negatives und warum?

Kontakt: lernwerkstatt@wukania.net

Für Menschen, die unser Experiment fördern wollen, hier unsere Kontoverbindung. Förderungen der Lernwerkstatt sind nicht nur gemeinnützig – sie können auch die persönlichen Steuerzahlungen an den Staat vermindern.

Rückenwind - Bildung in Bewegung e.V., IBAN: DE85100900007037827007,
Berliner Volksbank, BIC: BEVODEBB, Stichwort: Lernwerkstatt


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