PAG – Commons zum Anfassen

In der PAG gibt es seit einiger Zeit eine Debatte um den Begriff der Commons. Ist die PAG ein Commons-Projekt? Taugt der Begriff überhaupt für irgendetwas? Wollen wir uns positiv auf die Debatte um Commons beziehen und uns darin aktiv einmischen? Geeinigt haben wir uns noch nicht. Das ist vielleicht auch nicht notwendig. Hier eine kurze Einzelmeinung dazu:
„Alles für alle – und zwar umsonst“ gehört seinen einigen Jahren zu den wichtigsten Parolen der radikalen Linken. Darin enthalten ist zum einen die Kritik am Eigentum, das vielleicht wichtigste Prinzip unserer Gesellschaft, mit allen daran geknüpften Folgen und Nebenwirkungen. Der Zwang, Eigentum zu bilden, es zu verteidigen und zu mehren, überlagert alle sozialen Beziehungen und prägt unser ganzes Leben, verbunden mit den entsprechenden Ein- und Anschlussmechanismen. Die Parole verlangt zum anderen die völlige Umwälzung unserer Gesellschaft in eine Utopie ohne Eigentum, in der alles allen gehört. Sympathisch, da radikal nicht irgendwelche Reformen zur Begrenzung der Barbarei gefordert werden, sondern deren Abschaffung.
Doch schaut mensch jenseits der Parole nach konkreten Vorstellungen, wie denn eine Gesellschaft jenseits von Markt und Staat aussehen soll, ist da oft gähnende Leere. Sehr abstrakt bleiben oft die Ideen von gesellschaftlicher Organisation für die Zeit nach der Revolution. Und hier liegt auch der Grund, warum die derzeitige Diskussion um Commons (wird gerne mit „Geimeingüter“ übersetzt, ich bleibe hier beim englischen Begriff) für Teile der radikalen Linken so attraktiv ist. Denn hier wird es ganz konkret.
Die Entwicklung um freie Software (open source), copyleft und creative commons hat gezeigt, dass zumindest in der digitalen Welt Commons weder ferne Utopie noch veraltete archaische Strukturen sein müssen. Aber durch die zumindest scheinbar unbegrenzte Kopierbarkeit der digitalen Inhalte und ihrer ebenfalls scheinbar unbegrenzten Verbreitung durch das Internet (scheinbar, da hinter den digitalen Welten ganz materielle, also endliche Rechner und Kabel stecken), lassen sich die Prinzipien der freien digitalen Welt nicht so ohne weiteres auf die materielle Welt der Endlichkeit und Knappheit übertragen. Aber auch hier gibt es vereinzelt immer noch funktionierende Praxen der Allmenden und neue Experimente mit Peer-Produktion. So sei hier auf die Nicht-kommerzielle Landwirtschaft des Karlshof und die Wukania-Lernwerkstatt verwiesen (beides PAG-Projekte).
Aber auch die PAG an sich ist eine moderne Form des Commons-Klassikers Allmende. Nach außen wirkt durch die Rechtsform einer Stiftung das Land und die Gebäude als ganz normales Privateigentum. Nach innen stellt die PAG die Immobilien aber nur zeitweise und unter bestimmten inhaltlichen Bedingungen zur Verfügung. Der Besitz ist nicht an bestimmte Personen gebunden, sondern an Inhalte und konkrete soziale Praxen. Theoretisch kann jede und jeder bei der PAG mitmischen und damit mitgestalten, sie muss sich nur den inhaltlichen Prinzipien anschließen und sich auf die sozialen Prozesse einlassen. Die PAG bietet den Rahmen für eine Auseinandersetzung über die Dynamik der Projekte, ihrer Entfernung von den ursprünglich gesetzten Zielen des Startes, sie gibt Raum für inhaltliche Entwicklung, setzt aber auch Grenzen. Projekte können gemessen an ihrer Zielsetzung auch scheitern, dann werden die Immobilien wieder an neue Projekte vergeben.
Und auch sonst entspricht die PAG den sieben „Prinzipien“ eines funktionierenden Commons (einer funktionierenden Allmende), die die Sozialwissenschaftlerin Elinor Ostrom herausgearbeitet hat:
1. „Klar definierte Grenzen“ (der Bezugsgruppe)
2. „Kongruenz zwischen Aneignungs- und Bereitstellungsregeln und lokalen Bedingungen“, d.h. Umfang von Nutzung und Aufwand der Ressourcenverwaltung sind auf lokale Begebenheiten abgestimmt.
3. „Arrangements für kollektive Entscheidungen“: Personen, die von den Commons-Verwaltungsregeln betroffen sind, können über diese Regeln auch mitbestimmen.
4. Kontrolle und Rechenschaftspflicht gegenüber den Commonsberechtigten
5. Abgestufte Sanktionen
6. schnelle, direkte, lokale Konfliktlösung
7. minimale Anerkennung der jeweiligen Organisationsform und Rechtsverhältnisse durch Unabhängigkeit von äußeren (staatlichen) Machtstrukturen
(Ostrom, Elinor: Die Verfassung der Allmende – Jenseits von Staat und Markt, 1990)
Natürlich ringen wir in der PAG um diese Punkte, z.B. um eine schnelle und konstruktive Konfliktlösung oder um die Passgenauigkeit unserer Struktur.
„Work in progress“ oder auch „Fragend schreiten wir voran“.


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