Archiv für November 2011

Sprachengewirr

Über 20 Menschen fanden sich am 11. November im Kulturbahnhof Biesenthal ein, um etwas über das erst zwei Jahre alte Netzwerk „interact-afrique-europe“ zu erfahren. Vom Netzwerk berichteten sechs Menschen aus Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Bamako (Hauptstadt von Mali). Vorbereitet waren sie darauf, die ganze Veranstaltung zweisprachig zu gestalten: deutsch und französisch. Doch spontan kam noch englisch dazu, denn unter den Interessierten waren auch 5 MigrantInnen aus Kenia, die zur Zeit im Barnim leben. So entstand ein ziemliches Sprachgewirr, und es war gar nicht einfach, sich bei zwei parallelen Übersetzungen zu konzentrieren, aber genau der Umgang mit solchen Schwierigkeiten prägen die Arbeit in so einem internationalen Netzwerk wie interact.
Auf der Veranstaltung wurde der besondere Ansatz von Interact deutlich: Es geht um die Verknüpfung antirassistischer Kämpfe gegen Grenzen, Lager und Abschiebungen und für das Recht auf Migration mit den sozialen Kämpfen in den Herkunftsregionen der MigrantInnen, um das Recht zu Bleiben, um das Recht in seiner Heimat ein würdevolles Leben zu führen. Die drei Gäste aus Mali konnten einen kurzen Einblick geben, was es bedeutet in Mali zu leben und in welchen sozialen Bewegungen sie sich engagieren, z.B. gegen Landgrabbing, Privatisierungen und Sexismus. Eindrucksvoll war auch das Aufeinandertreffen von MigrantInnen die gerade in Deutschland leben und auf keinen Fall abgeschoben werden wollen und MigrantInnen die bereits abgeschoben wurden und nun in Mali versuchen Strukturen aufzubauen, um Abgeschobenen ein Überleben in den Verhältnissen zu sichern, vor denen sie doch eigentlich geflohen sind.
Vieles konnte an dem Abend nur angerissen werden und natürlich bleibt vieles offen. Ist es tatsächlich möglich und fruchtbar Bewegungen an solch verscheidenen Orten, zu so verscheidenen Themen mit so verschiedenen Interessen der Teilnehmenden zuzammenzubringen? Es bleibt zu hoffen!

Infoabend mit AktivistInnen aus Mail

Wukania präsentiert:

Recht zu bleiben, Recht zu gehen: Soziale Kämpfe in Westafrika

DemonstrantIn

Bereits 1991 wurde in Mali der langjährige Diktator General Traoré in einem vor allem von SchülerInnen und StudentInnen initiierten Volksaufstand gestürzt. Seitdem sind zwar demokratische Grundrechte weitgehend garantiert, dennoch gehört das westafrikanische Land zu einem der ärmsten bzw. am ärmsten gemachten Länder der Welt. Neben korrupten Eliten sind vor allem die Agrarpolitik der USA und EU sowie die durch IWF, Weltbank & Co. aufgezwungenen Strukturanpassungsprogramme als Gründe zu nennen. Hinzu kommen in jüngerer Zeit der massive Ausverkauf von fruchtbarem Ackerland an global operierende Investmentfonds („Landgrabbing“) sowie die bereits heute dramatischen Auswirkungen des Klimawandels. In diesem Sinne stellt Migration für viele Menschen eine der wichtigsten Überlebensperspektiven dar – überwiegend innerhalb Westafrikas, aber auch Richtung Nordafrika oder Europa. Die EU reagiert hierauf nicht nur mit systematischer Entrechtung und massenhaften Abschiebungen. Vielmehr rücken im Zuge der Auslagerung des EU-Grenzregimes auch afrikanischen Länder wie Mali immer mehr in den Fokus europäischer Migrationspolitik.

Die ReferentInnen gehören zum afrikanischen Flügel von Afrique-Europe-Interact – einem transnationalen Netzwerk, das Anfang 2011 eine dreiwöchige Karawane „für Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung“ von der malischen Hauptstadt Bamako zum 11. Weltsozialforum in Dakar/Senegal organisiert hat. Sie werden in den Veranstaltungen über soziale Kämpfe in Mali bzw. Westafrika berichten. Dabei wird es einerseits um die Situation von (selbstorganisierten) Abgeschobenen, TransitmigrantInnen und RückkehrerInnen gehen – auch vor dem Hintergrund, dass durch die Konflikte in Libyen und der Elfenbeinküste mehrere Hundertausend ArbeitsmigrantInnen ihre Existenzgrundlage verloren haben und nach Mali zurückkehren mussten. Andererseits sollen die Perspektiven transnationaler Organisierung näher beleuchtet werden, inklusive der Frage, wie der arabische Frühling seitens der sozialen Bewegungen in Mali bzw. Westafrika aufgenommen wurde.

Mit Rokia Diarra Karambé (Föderation der Vereine der MigrantInnen aus Mali – FAM/Fédération des Associations de Migrants de Mali), Alassane Dicko (Assoziation der Abgeschobenen Malis – AME/Association Malienne Expulsés) und Hamada Dicko (Verein zur Verteidigung der malischen MigrantInnen – ADEM/L’Association pour la Défense des Emigrés Maliens)

Flyer (pdf, 2 MB)

Freitag, 11. November – Kulturbahnhof Biesenthal – 19:00 Uhr