2. Artikel in der neuen CONTRASTE

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Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit (PaG)

Vor 12 Jahren gingen wir an den Start. Nach und nach ist ein kleines Netzwerk selbstorganisierter
Projekte in Berlin-Brandenburg gewachsen.
Was hat die Gründung inspiriert? Welche Erfahrungen haben wir gemacht? Wie viel Verbundenheit hat sich zwischen den Projekten hergestellt? Autonomie und Gegenseitigkeit – wie haben wir sie zusammengebracht?

„Die Häuser denen, die drin wohnen – die Betriebe denen, die dort arbeiten”

Unter diesem Slogan gingen in den 70er und 80er Jahren viele daran, die gesellschaftlichen Verhältnisse in ihrem Alltag zu verändern. Sie stellten damit die Eigentumsfrage neu. Im Laufe der Jahre ging jedoch ein Großteil des einstmals gemeinschaftlich erworbenen Eigentums in den Kollektiven und Alternativbetrieben schleichend wieder in individuelles Privateigentum über.
Aus diesen Erfahrungen entstand die Idee, Eigentum und Nutzung zu trennen. Es sollen deshalb Wege gefunden werden, wie selbstverwaltete Wohn- und Arbeitsprojekte ihre Utopien in Häusern und Grundstücken erproben können, die ”niemandem” gehören – also weder angeeignet noch profitabel verwertet werden können. Zu diesem Zweck haben wir die ‚Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit‘ (PaG) gegründet. Das zentrale Werkzeug, um Re-Privatisierung auszuschließen, ist die Rechtsform der Stiftung. Die Verantwortung für das neutralisierte Eigentum tragen alle Mitglieder der PaG gemeinschaftlich.
Über ihre Stiftung erwirbt die Projektwerkstatt Immobilien, die den in der PaG organisierten Gruppen für ihre Ziele geeignet erscheinen. Den Gruppen wird dann die Immobilie zur Nutzung ausgeliehen und so die gewollte Trennung von Eigentum und Nutzung festgeschrieben. Durch sorgsamen Umgang mit dem Stiftungskapital, Erhalt der erworbenen Immobilien und das gemeinsame Einwerben immer neuer Geldmittel soll gewährleistet sein, dass stets neue und weitere Projekte dazu kommen können. Außerdem können Gruppen, die bei der PaG mitmachen wollen – nach ausführlichem Kennenlernen und gegenseitigem Einverständnis – bereits in ihrem Besitz befindliche Immobilien zur Neutralisierung einbringen und weiter nutzen.

Es geht nicht nur um die Eigentumsfrage
Die PaG will die Entwicklung und Erprobung solidarischer und gemeinschaftlicher Wohn-, Lebens- und Arbeitsprojekte umfassend unterstützen, sowohl in bestehenden als auch in neu gegründeten Gruppen. Wir tun dies, indem wir den ökonomischen Druck auf die Projekte mildern und Sach- und Fachkompetenz in allen wichtigen Bereichen zur Verfügung stellen. Damit werden in den einzelnen Projekten Ressourcen freigesetzt, um mehr Raum für die eigentlichen Projektziele zur Verfügung zu haben. Die PaG will mehr sein als ein Dach autonomer Projekte; sie will an einer Verbundenheit zwischen ihnen arbeiten. Viele Projekte sind gescheitert, weil sie auf sich allein gestellt waren, sich übernommen haben und in ihrer Vereinzelung Krisen nicht produktiv bewältigen konnten. Mit unserem Netzwerk versuchen wir dem zu begegnen.

Wer wir sind
Bisher hat die PaG drei Projekte, ‚Wukania‘ in Biesenthal, ‚Aller_Dings‘ in Strausberg und den Karlshof bei Templin. Daneben sind zwei Dutzend Einzelpersonen Mitglied in der PaG.
Die meisten kommen aus ehemaligen Kollektiven und linken politischen Zusammenhängen in Berlin-Brandenburg. Menschen ganz unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Sozialisation und politischer Erfahrung treffen hier aufeinander. Wir lernen viel voneinander – und manchmal knirscht es auch.
Von Beginn an haben wir Tendenzen zur Insitutionalisierung entgegengewirkt. Zur Stärkung unserer Selbstorganisation haben wir schon bald ein geschäftsführendes Sekretariat abgeschafft und die Aufgaben rotierend wahrgenommen. Nach einer gewissen Erstarrung unserer Gremien haben wir uns vor zwei Jahren weitgehend von ihnen verabschiedet und angefangen, mit einer´Initiativkultur´ zu experimentieren. Seitdem lebt die PaG von der spontanen Bereitschaft ihrer AkteurInnen, MitstreiterInnen zu gewinnen für die Wahrnehmung diverser Aufgaben und Initiativen. Das klappt leider nicht immer, denn es setzt ein hohes Maß an Kommunikation und Transparenz voraus. Das ist wohl auch einer der Gründe, weshalb die PaG sich schwer tut, neue Gruppen zu integrieren. Vielleicht sind wir auch nicht offen genug für sie? Oder erscheint ihnen unser Konstrukt, unser Zusammenhang als zu anstrengend?
Mit den Jahren konnte die dominante Stellung der Älteren abgebaut werden und die PaG wuchs zu einem lebendigen sozialen Zusammenhang. Seine Bewahrung ist kein leichtes Unterfangen. Alle einzelnen Projekte sind bzw. waren Projekte im Aufbau. In ihnen wird eigentlich permanent gebaut. Wie in allen jungen Projekten sind sie mit komplexen sozialen und ökonomischen Anforderungen konfrontiert, die viele Energien absorbieren. Dennoch gelang es auf den unterschiedlichsten Ebenen, sich gegenseitig zu unterstützen.

Gegenseitigkeit und Autonomie
„Gegenseitigkeit“ bedeutet für uns nicht nur gegenseitige finanzielle Unterstützung. ´Gegenseitigkeit´ meint auch Unterstützung in der Projektentwicklung, auf den Baustellen und in der Konfliktbegleitung. Unsere Verbundenheit drückt sich auch darin aus, dass wir uns projektübergreifend in politische und soziale Konflikte der Region einmischen, uns mit anderen Projekten vernetzen, z.B. in Seminaren zur Nicht-Kommerzialität – und dass wir last but not least gemeinsam Feste feiern.
Nicht immer gelingt es, eine gute Balance von Autonomie und Gegenseitigkeit zu entwickeln. Auch wir sind damit konfrontiert, dass Projekte vor allem ´ihren Garten´ im Blick haben und bisweilen die PaG als ihnen äußerliche Institution betrachten. Und von Seiten der PaG gab es auch immer wieder eine gewisse Furcht, sich zu sehr in die Belange der Projekte einzumischen. In der Aufarbeitung des Scheiterns der `Lokomotive Karlshof` sind wir aktuell gefordert, herauszubekommen, wie Autonomie und Gegenseitigkeit in eine bessere Balance zu bringen sind. Wir hoffen, dass neue Gruppen, die sich in den Grundorientierungen unseres Netzwerks wieder finden, uns in unserer Entwicklung bereichern.

Weitere Informationen über uns sind übers Internet erhältlich: www.gegenseitig.de

Interessierte Gruppen können mit uns über folgende mail-Adresse Kontakt aufnehmen:
neuegruppen@gegenseitig.de

Wer uns und damit die Möglichkeit des Erwerbs weiterer Immobilien fördern will, kann dies über folgendes Konto tun:
Stiftung D.S.
Berliner Volksbank
IBAN: DE67100900007035041006
BIC: BEVODEBB

Die PaG


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