1. Artikel in der neuen CONTRASTE

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Der Karlshof- erfolgreich scheitern- geht das?

Der Karlshof: Ein ehemaliger LPG- Hof nahe Templin in der Uckermark.Vor gut 7 Jahren überließ die ´Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit´ ( PaG ) ihn der ´Lokomotive Karlshof´ zur Nutzung.
Auf dem Hof entstand das Experiment einer ´Nicht- kommerziellen Landwirtschaft´ ( kurz NKL).
Im Frühjahr 2012 erklärte die Gruppe ihr Scheitern. Der Karlshof ist nun erst einmal wieder an die PAG zurückgegangen – Raum für einen Neubeginn. Wir suchen neue Gruppen!

Was ist die PaG?
Die Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit (PaG) ist ein Netzwerk von Gemeinschaftsprojekten und Einzelpersonen. Gegenwärtig gehören neben dem Karlshof der Projektehof ´Wukania´ in Biesenthal sowie die Initiative ´Aller_Dings´ in Strausberg dazu. ( Mehr über uns in dem Artikel zur PAG in dieser Ausgabe).
In der gegenwärtigen Übergangsperiode betreuen wir den Karlshof und sorgen für seinen Werterhalt. Parallel dazu versuchen wir, die Weichen für die Zukunft zu stellen.
Im folgenden wollen wir einen Blick zurück auf die letzten Jahre werfen und ein paar erste Ideen zur zukünftigen Nutzung des Karlshofs vorstellen.

Woran ist die Gruppe gescheitert?
Persönliche Konflikte und inhaltliche Differenzen hatten sich dermaßen zugespitzt, dass die Gruppe keinen anderen Weg mehr sah, als ihr Scheitern zu erklären. Es war das Ende eines Prozesses, in dem die Gruppe versucht hatte, ihre Konflikte zu bearbeiten, auch begleitet durch Moderation, Supervision und Mediation. Die Positionen hatten sich jedoch schließlich zu sehr erhärtet. Zu den Gründen des Scheiterns können wir gegenwärtig noch nicht viel sagen. Der Klärungsprozess ist komplex. Wir wollen sorgsam mit Personen und Konfliktlinien umgehen, in der Hoffnung, aus den Erfahrungen zu lernen. Das braucht zeit. Statt Antworten haben wir gegenwärtig eher Fragen.
War vielleicht der Hof für eine relativ kleine Gruppe eine Nummer zu groß? Wie viel Kraft hat der Entwurf der ´nicht kommerziellen Landwirtschaft´ ( NKL ) gekostet? Hat die Gruppe sich im Laufe der Jahre mit den verschiedensten praktischen Tätigkeiten letztlich übernommen? Wurden genug Energien in das Wachstum der sozialen Beziehungen gegeben? Hat die PAG die Gruppe intensiv genug begleitet? Wie weit war sie offen, sich in ihren Konflikten begleiten zu lassen?
Das sind nur einige der Fragen, die wir uns stellen.

Konflikte, Trennungen, auch das Scheitern von Vorhaben gehören zum Leben. Wir suchen den produktiven Umgang damit, bemühen uns, Situationen zu entdramatisieren. Die Möglichkeit des Scheitern denken wir bereits mit, wenn eine neue Gruppe an den Start geht.
Die Unterstützung der Betroffenen ist uns wichtig. In der Reflektion des Scheiterns versuchen wir, Schuldzuschreibungen zu vermeiden und Schwächen unseres Handelns zu erkennen, um alte Fehler zukünftig zu vermeiden; in der Gewissheit, dass wir neue machen werden.

Nicht nur Scheitern, sondern auch viel Bewegung

Als die ´Lokomotive Karlshof´ 2005 den Hof übernahm, betrat sie ein sehr unwirtliches Gelände: 50 ha Land, das seit vielen Jahren nicht bearbeitet worden war, zwei Wohngebäude mit erheblichem Sanierungsbedarf und eine Vielzahl von Wirtschaftsgebäuden in überwiegend baufälligem Zustand.
Mit Hilfe von hunderten Unterstützer_innen verwandelte sich dieser heruntergekommene Hof. Auf über 20 Hektar Land wurden unterschiedliche Kulturen (verschiedene Getreide, Ölsaaten, Gemüse und Hülsenfrüchte) angebaut und zum Teil weiterverarbeitet. Zwei Gebäude wurden bewohnbar gemacht, ergänzt von einer Schlafetage und einem Lehmhäuschen und sanitären Einrichtungen. Es entstanden Räume zur Lagerung und Weiterverarbeitung, Werkstätten und ein vielfältiger Maschinenpark. Es wurden Kooperationen in der Nachbarschaft entwickelt wie auch mit anderen kollektiven Projekten.

In der Landwirtschaft beschritt die Gruppe von Beginn an neue Wege. Sie wollte nicht für einen anonymen Markt produzieren, sondern ein Netzwerk von ErzeugerIinnen und VerbraucherInnen aufbauen. Jede(r) sollte sich ihren/ seinen Möglichkeiten entsprechend an den anstehenden Arbeiten wie auch an der Deckung der Kosten beteiligen. Und jede(r) sollte auch unabhängig von ihrem/ seinem Beitrag in den Genuss der produzierten Güter kommen.
In einer Form von Beitragsökonomie sollten Geben und Nehmen voneinander entkoppelt werden.
Befreit von den Sachzwängen einer am Markt orientierten Produktion sollte Raum geschaffen werden, um an einer Kultur der Kooperation zu arbeiten: sich gegenseitig zu eigenständigem und verantwortlichen Handeln ermutigen, voneinander lernen, Rollen, Dominanzen und Hierarchien reflektieren und bearbeiten.
In den folgenden Jahren versuchte die Gruppe mit viel Leidenschaft und Energie diese Idee in die Praxis umzusetzen Und sie animierte viele Menschen dazu, sich an diesem gegenströmigen Unterfangen zu beteiligen. Viele praktische Erfahrungen wurden gemacht; einiges gelang, anderes blieb in Ansätzen stecken. Der Weg war steiniger als erwartet und anstrengender als gewünscht.
Aber aus dem Karlshof war ein lebendiger Ort für Viele geworden. Auch war er inspirierend für Menschen, die an anderen Orten eigene nicht-kommerzielle Projekte starteten.

Wir bedauern es sehr, dass die Gruppe, die so viel Kraft und Energie in diesen Hof gegeben hat,
ihn nun nicht weiter mitgestaltet. Wir hoffen, dass sie die Ideen und Erfahrungen dieser Jahre bewahren und in neue Projekte einbringen können.

Die Geschichte der ´Lokomotive Karlshof´ ist nicht nur und in erster Linie eine Geschichte des Scheiterns, sondern die Geschichte einer mutigen, tatkräftigen Gruppe, die uns einen Schatz von Erfahrungen hinterlässt. Ihr gilt unser Dank und unsere Wertschätzung.

Neue Gruppe(n) für den Karlshof

Seit dem letzten Herbst ist der Karlshof nun wieder an die PaG zurückgegangen. Unterstützt von Menschen aus dem NKL-Netzwerk sichern wir ihn und versuchen, ihn auch in dieser Übergangsperiode lebendig zu halten.
Gleichzeitig suchen wir nach neuen langfristigen NutzerInnen des Karlshofs. Dabei sind wir für sehr unterschiedliche Optionen offen.

Zunächst einmal die uns liebste:
Wir wollen den Hof auch zukünftig gerne unter dem Dach der PaG sehen; die Reprivatisierung wollen wir vermeiden. Der Hof ist Teil unserer Geschichte. Über vielerlei Erfahrungen fühlen wir uns ihm auch emotional verbunden. Der Karlshof soll auch weiterhin ein Ort für nicht-hierarchische gemeinschaftliche Experimente sein. Wir wünschen uns daher eine oder auch mehrere neue Gruppen, welche neben dem Interesse an der Umsetzung ihrer Ziele auf dem Hof auch Lust auf die Mitarbeit in der PaG und unseren sozialen Zusammenhang haben. Für uns ist diese Situation Neuland: Bislang haben wir immer gemeinsam mit Gruppen, die schon Teil der PaG waren ein für sie angemessenes Grundstück gesucht. Nun suchen wir dagegen Gruppe(n) für ein Grundstück. Wir wollen uns damit auf einen besonderen Prozess einlassen, der sowohl für uns wie für die interessierten Gruppen einige Herausforderungen mit sich bringt. Wir wünschen uns einen eher langsamen Annäherungsprozess, in dem es vor allem darum gehen muss, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen .Das kann sich nicht nur im Gespräch herstellen, sondern braucht auch praktische Kooperationsebenen, die wir gemeinsam herausfinden müssen; vielleicht. auch praktische Interims-Lösungen wie zum Beispiel eine zunächst befristete Verpachtung des Hofes an die interessierten Gruppen.
Sehr begrüßen würden wir, wenn die neue(n) Gruppe(n) Lust auf den Acker mitbringen. Denn der Zugang zu Land, als Basis für die Produktion von Nahrungsmitteln, wird auch in unserer Region immer schwieriger (Bodenspekulation, steigende Bodenpreise). Formen subsistenzorientierter Bodennutzung bzw. solidarischer Landwirtschaft fühlen wir uns eng verbunden. In diesem Sinne wünschen wir uns ein Stück Kontinuität zur bisherigen Nutzung des Karlshofs.
Gruppen, die sich sich in dieser Skizze wiederfinden und sich mit Lust und Geduld gemeinsam mit uns auf den Weg machen wollen, würden wir zunächst Priorität geben. Und wir sind auch offen dafür, InteressentInnen mit unseren langjährigen Kollektiverfahrungen bei dem Prozess der Gruppenbildung zu unterstützen.

Andere Optionen
Wir können gegenwärtig nicht beurteilen, ob unser Wunschprogramm auf Interesse stößt. Da wir den Hof nicht über Jahre hinweg verwalten wollen, sind wir auch offen für andere InteressentInnen.
Falls wir keine Gruppe finden, die zur PaG passt, würden wir den Hof auch verkaufen, um mit dem Erlös andere Projekte zu ermöglichen.

Interessierte Gruppen bzw. Personen können mit uns über folgende Mail-Adresse Kontakt aufnehmen: neuegruppen@gegenseitig.de
Es wäre hilfreich, wenn ihr uns darin ein paar erste Infos über euch, eure Projekte und eure Interessen mitteilen würdet.

Die PaG


2 Antworten auf „1. Artikel in der neuen CONTRASTE“


  1. 1 Johannes E. v. Buchenwald 27. Dezember 2013 um 10:55 Uhr

    Hallo Liebe Betreiber des Karlshofes
    Über meine Beschäftigung mit Solidarischer Landwirtschaft bin ich auf Euren Hof hingewießen worden und interessiere mich dafür. Wie es aussieht befindet Ihr Euch in einem Stadium des „Scheiterns“ und Suchens nach Neuem. Ich finde dies sehr Spannend,und interessiere mich für diesen Prozess, auch suche ich nach der Möglichkeit für eine Einrichtung einer Werkstatt zur Herstellung von Bienenbeuten für eine Wesensgerechte Bienenhaltung. Ich habe vor heute Nachmittag bei Euch vorbeizuschauen um die Gegend wahrzunehmen mal sehen, vielleicht treffe ich ja jemanden, der diese Mail schon gelesen hat.
    Gute Grüße und evt. bis später!
    Johannes E.v. Buchenwald

  1. 1 Nix neues vom Karlshof? « gegenseitig Pingback am 04. Dezember 2013 um 13:51 Uhr

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