8. Mai 2016 – Swing-Tanz-Blockade in Demmin

Auch in diesem Jahr wollen Nazis wieder am 8. Mai in Demmin marschieren. Dagegen sind vielfältige Aktionen und Blockaden geplant. Einige Menschen planen auch wieder eine Swing-Tanz-Blockade.

http://demminnazifrei.blogsport.de/
swing-gegen-nazis@mail36.net

Jedes Jahr am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, ziehen mehrere hundert Nazis am Abend mit einem Fackelmarsch durch die Kleinstadt Demmin in Mecklenburg-Vorpommern, um den „deutschen Opfern“ zu gedenken und ihren Geschichtsrevisionismus zu verbreiten. Anlass für einen der wichtigsten Naziaufmärsche in Norddeutschland ist ein Massenselbstmord am Ende des 2. Weltkrieges. Direkt nach dem Einmarsch der Roten Armee kam es zu hunderten Selbstmorden der deutschen Bevölkerung in Demmin.

Auch in diesem Jahr soll am 8. Mai den Nazis und ihrer Hasspropaganda nicht die Straße überlassen werden. So gibt es zahlreiche Gegenveranstaltungen in Demmin: ein Friedensfest, eine antifaschistische Demonstration, Mahnwachen und Blockaden.
Wir wollen wie im letzten Jahr mit einer Tanzblockade unseren Beitrag dazu leisten. Alle sind eingeladen sich tanzend dem braunen Spuk entgegenzustellen. Und all denen, die gerne auf der Tanzblockade Swingschritte tanzen möchten, bieten wir nachmittags eine Einführung an.

Swing gegen Rechts
Swing-Musik und Swing-Tanz galt bei den Nazis als „entartete Musik“, als „künstlerische Zuchtlosigkeit“ und „Verlotterung und Verschlampung im musikalischen Ausdruck“. Die Rede war auch von „unanständigen Tanzformen“ und einem „politischem Kampfmittel der Juden“.
Swing-Musik entstand in den 20er und 30er-Jahren in den USA. Vor allem Afroamerikaner_innen entwickelten den Swing aus vorangegangen Stilrichtungen des Jazz. Auch im Deutschland der 30er Jahre wurde Swing sehr populär. Aber schon 1932 wurde von der Reichsregierung unter Franz von Papen (später Vizekanzler unter Hitler) ein Auftrittsverbot für schwarze Musiker veranlasst und 1935 vom Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky das endgültige Verbot des Jazz für den Rundfunk in Nazi-Deutschland erlassen.
Trotzdem wurde weiter Swing-Musik gespielt, gehört und dazu getanzt. So entstand die Swing-Jugend, eine oppositionelle Jugendkultur in vielen deutschen Großstädten, die sich oft erst mal nur gegen Uniformierung und militärischen Drill in der Hitlerjugend wendete.
Am 18. August 1941 wurden bei der „Sofort-Aktion gegen die Swing-Jugend“ über 300 Mitglieder der Swing-Jugend verhaftet. Die Repression reichte vom Abschneiden langer Haare über Schutzhaft und Schulverweise bis zur Verhaftung angeblicher Rädelsführer und deren Deportation in Konzentrationslager. Nach der Verhaftungswelle begannen einige Swing-Jugendliche den Nationalsozialismus auch politisch zu bekämpfen. Sie verteilten regimekritische Flugblätter und es gab Kontakte zur „Weißen Rose“ und zu den „Edelweißpiraten“.
An diese Geschichte wollen wir mit unserer (Swing-)Tanzblockade anknüpfen.

1. Treffpunkt:
Sonntag um 16:00 vor dem Speicher am Hafen in Demmin
--> Swing-Tanz Taster (erste Swing-Tanz-Schritte lernen), umsonst und draußen.

2. Treffpunkt:
Sonntag um 17:00 auf dem Marktplatz in Demmin
--> kurze Besprechung und Hallo-Sagen vor der Demo, anschließend gemeinsame Teilnahme an der Demo.

Infotelefon:
Sonntag den 8.Mai ab ca. 15:00 ist das Infotelefon erreichbar: 01575-3490209.

Aus Berlin wird ein Bus nach Demmin fahren. Tickets gibt es im Buchladen Schwarze Risse (Mehringhof, Gneisenaustr. 2a, U-Bhf Mehringdamm).


2 Antworten auf „8. Mai 2016 – Swing-Tanz-Blockade in Demmin“


  1. 1 Stefan 02. Mai 2016 um 9:47 Uhr

    Hallo liebes Wukania-Team,

    Ich bewundere sehr Euer Arbeit im Wukania-Zentrum und finde Eure Konzepte hinsichtlich regional unabhängigen Lebens im allgemeinen sehr vorbildlich.
    Ich verstehe ja Euer Anliegen in der Hinsicht, dass es üblich ist gegen Dinge zu demonstrieren, die einem schwer missfallen. Und viele Menschen glauben, dass sie damit etwas Gutes bewirken würden. Habe ich, um ehrlich zu sein früher auch geglaubt.
    Ich persönlich bin längst an dem Punkt angekommen, wo ich für mich entschieden habe.: Ich werde niemals GEGEN irgend JEMANDEN oder gegen andere Meinungen demonstrieren oder gar in irgendeiner Weise kämpfen. Nein auch nicht gegen sogenannte Nazis. So schräg das für Euch klingen mag, aber im Grunde sind auch Nazis Menschen, wenn auch Menschen mit Ansichten die mir gelinde gesagt nicht gerade sympathisch sind.

    Aber jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt und hat ein Bild von seiner Welt aufgrund seiner gefilterten Wahrnehmung dieser und aufgrund verschiedener Prägung und Einflüsse seines Umfeldes. Und damit, dass wir andere Menschen auf Grund Ihrer Meinung öffentlich als dumm und/oder Böse anprangern, werden wir sie niemals dazu bringen Ihr eigenes Weltbild zu hinterfragen. Im Gegenteil.: Dadurch, dass wir Menschen auf Grund Ihrer Meinung ausgrenzen und uns als deren Gegner zu erkennen geben, verlieren wir den Zugang zu ihnen und den Einfluss auf sie. Und der Einfluss derjenigen Kräfte welche diesen Menschen ihre Ansichten einimpfen wird noch stärker.

    Es gibt eine universelle Gesetzmäßigkeit, die in spirituellen Kreisen wohl bekannt ist.: „Das wogegen Du kämpfst, machst Du stärker“ Daraus folgt automatisch.: Wer das Böse bekämpft wird scheitern.
    Warum also sollte man seine Ressourcen dafür verschwenden gegen etwas zu kämpfen, was man nicht haben möchte. Ist es nicht viel sinnvoller und effektiver sich dafür zu engagieren, was man haben möchte. Also wenn ich mehr Toleranz haben möchte, engagiere ich mich für mehr Toleranz und übe mich selbst in Toleranz anstatt gegen Intoleranz zu kämpfen. Wenn ich für Völkerverständigung bin, engagiere ich mich für mehr Völkerverständigung und übe mich selbst in Völkerverständigung anstatt gegen feindselige Haltungen zwischen Völkergruppen zu kämpfen. Wenn ich Frieden möchte, engagiere ich mich für Frieden und versuche in mir selbst Frieden zu finden anstatt gegen Krieg zu kämpfen. Wenn mir der Hass in der Welt aufstößt, dann versuche ich mehr Liebe in die Welt zu geben. Mutter Theresa wurde einmal zu einer Anti-Kriegs-Demo eingeladen. Sie lehnte prompt ab, mit den Worten „Ich werde niemals an einer „Anti-Kriegs-Kundgebungen teilnehmen.“ Sie fügte noch hinzu. „Wenn ihr aber eine Friedens-Demonstration veranstaltet, bin ich dabei.“
    Ich lege also meine Aufmerksamkeit auf das was ich haben möchte und fange verdammt nochmal bei mir selbst an.
    Wie Mahatma Gandhi sagte: „Sei selbst die Veränderung, die Du in der Welt bewirken möchtest.“
    Und Toleranz fängt halt mit meiner eigenen Toleranz an, auch gegenüber anderen Meinung, die sich sehr stark von meiner eigenen unterscheiden.
    Ganz im Sinne von Rosa Luxemburg: „Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden“
    Im allgemeinen halte ich es für fatal uns gegenseitig aufgrund von Meinungen, Ansichten, Religionen oder Herkunft gegeneinander aufhetzen und spalten zu lassen. Ich glaube wir können diese Welt nur dann besser machen, wenn wir trotz all unserer Verschiedenheiten zusammenarbeiten und uns alle mit Liebe, Verständnis und Offenheit begegnen.

    Ich hoffe ich kann ich damit zum Nachdenken anregen.

    lieben Gruß
    Stefan

  2. 2 Anonymous 02. Mai 2016 um 12:36 Uhr

    Hallo Stefan

    hättest du es besser gefunden, wenn die Allierten schön Zuhause geblieben wäre (bzw. sich zurückgezogen hätten in Teilen wo noch nicht der braune Terror herrschte), damit sie ganz deinem spirituellen SInn nach den NS nicht stärker machen würden?
    Das ist doch Unsinn!
    Klar ist es wichtig für etwas zu sein und etwas konkretes anzustreben, aber das widerspricht nicht dem zu sagen, wenn Menschen Menschen-verachtetende Ideologie propagieren gibt es eine Verantwortung dagegen etwas zu unternehmen. Weil die Ideologie dazu führt, dass die Menschen Flüchtlingsheime und deren Bewohner_innen anzünden. Und es ist ja toll, wenn es in deiner Seele friedlich ist, aber das interessiert die Menschen, die verbrennen und in der ANgst davor leben, herzlich wenig.
    Was daran verstehst du nicht?

    Natürlich muss ich mich auch mit mir auseinandersetzen und mit meinen Wurzeln im NS und meinen Umgang mit Agression und meinen verinnerlichten Rassismus udn Antisemitismus (wobei ich mir nicht sicher bin, ob du das tust…), aber das ist doch kein Gegenargument dazu auf die STraße zu gehen und Gewalt (verbaler wie tätlicher, die ineinander greifen) Einhalt zu gebieten.
    Nicht dass ich das immer tue, weil ich zu faul bin und schöneres machen will, als mir das Grauen anzuhören und anzusehen und mich mit den Polizeisperren abnerven lassen möchte, aber das als höheren Erkenntniszustand verkaufen zu wollen, finde ich absurd.
    ABer geh doch auf die NAzidemo und reden mit ihnen über deine guten Gedanken, mal gucken, wieviel Veränderung du da anstoßen wirst (und wie lange du unversehrt bleibst)…

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