„Keine Abschiebungen aus dem Barnim!“

Neuigkeiten von der Spendenkampagne

Februar 2018

Well come united Parade September 2017 in Berlin

Danke!
Unsere Spendenkampagne hat im Sommer 2017 begonnen und seitdem ist viel passiert, darum ist es Zeit für einen kleinen Bericht. Doch zuallererst ein großes Dankeschön an alle Spender_innen; einen herzlichen Dank an die Gemeinden, die oft kurzfristig Kirchenasyl gegeben haben; unseren Dank an die Unterstützer_innen in allen Lebenslagen der Betroffenen; und ganz besonders an die Menschen, die selbst abschiebegefährdet sind und für andere dolmetschen, sie begleiten und unterstützen!

Wir wissen nicht, wie wir Pfarrer i.R. Claus-Dieter Schulze (4.4.1939 – 20.12.2017) aus Joachimsthal je danken können – Menschen vor Abschiebung zu schützen, hatte er sich zu einer Lebensaufgabe gemacht und sich seit den 80er Jahren bis kurz vor seinem Tod für Kirchenasyle eingesetzt. Sein Tod kurz vor Weihnachten ist ein schwerer Verlust. Auch mit „CD“s Hilfe konnten wir im letzten Jahr mindestens 16 Menschen in unterschiedlichen Notsituationen unterstützen, bei fast allen ging es um Abschiebegefahr.

Es war ein Jahr mit vielen Hochs und Tiefs:
Vier Menschen haben Aufenthaltserlaubnisse von 1 oder 3 Jahren bekommen, darüber sind sie glücklich. Andere haben (trotz grausam zu lesender Fluchtgeschichten) erst einmal Ablehnungen erhalten und müssen nun versuchen, auf dem Klageweg doch noch Asyl zu bekommen. Einige konnten nach dem Kirchenasyl Deutschkurse belegen, einer macht ein Praktikum als Friseur, einer hat eine BFD-Stelle und berät andere Geflüchtete und übersetzt für sie. Fünf Menschen konnten aus dem abgelegenen Heim in Ützdorf (bei Lanke) in eigene Wohnungen umziehen.

Dennoch wurden mindestens 30 Menschen im vergangenen Jahr aus dem Barnim abgeschoben. Auch wenn es im zweiten Halbjahr viel weniger „erfolgreiche“ Abschiebungen waren, sind das viel zu viele! Zur Zeit haben wir vermehrt mit Menschen mit verlängerten Dublin-Fristen zu tun (Abschiebungen vor allem nach Italien) und mit Menschen, die direkt aus der Erstaufnahmeeinrichtung abgeschoben werden sollen – die Erstaufnahmeeinrichtungen in Eisenhüttenstadt und Wünsdorf sind so abgelegen, dass es viel schwieriger ist, die Menschen dort zu unterstützen.

Viele Probleme hatten die Betroffenen auch mit dem Grundsicherungsamt: Häufig wurden Leistungen gekürzt ohne Bescheide zu verschicken; mehrmals wurde auf Barzahlung umgestellt ohne ersichtlichen Grund; erst ein Erscheinen mit Unterstützer_innen hat oft zum Erhalt der Leistungen geführt, auf die ein Anspruch bestand. Ein juristischer Streitpunkt ist, ob während des Kirchenasyls der Anspruch auf Sozialleistungen erlischt, weil die Kirchengemeinden ja das Überleben der Betroffenen notdürftig (und notwendigerweise) absichern. Die Nothilfe der Gemeinden entspricht aber bei weitem nicht dem „Existenzminimum“ eines ALG2-Satzes oder dem schon verringerten „Existenzminimum“ einer Asylbewerberin/ eines Asylbewerbers.

Den preisgekrönten Kino-Dokumentarfilm „Deportation Class“ haben wir schon in Bernau, Eberswalde, Biesenthal und Angermünde gezeigt und weitere Termine sind geplant. Der Film porträtiert die beteiligten Akteure und Betroffenen einer Sammelabschiebung. Im Anschluss haben wir zu Austausch und Diskussion zum Thema eingeladen und hatten spannende Gespräche. Die Abschiebemaschinerie und die nach eigenen Aussagen „gefühllosen“ Polizist_innen fanden viele schockierend. Die nächsten Termine sind am 23.2. in Eberswalde im BBZ Amadeu Antonio (19:00 Uhr, Puschkinstraße 13) und am 10.3. in Oderberg im Cafe Hier und Jetzt (20:00 Uhr, Puschkinufer 3).

Motiviert haben uns auch Treffen und Zusammenarbeit mit anderen Initiativen in Brandenburg, die sich gegen Abschiebungen engagieren, gerade die Geflüchteten-Initiativen. Mit einigen gibt es Verabredungen für eine brandenburgweite Infotour zum Thema Dublin-Abschiebungen und am 29.9. beteiligen wir uns an der großen „We‘ll Come United“-Parade für Bleiberecht in Hamburg.

„Der sehr menschliche Willen, für ein besseres Leben zu kämpfen“
Vor kurzem hat uns Ahmed aus Somalia eine rührende Dankesrede gehalten, die so anfing: „First we want to thank you people because of your help – you have
helped us with a lot of things, for protection and making life happy. You have been protecting us like brothers, families and your children. The things that you did to us is to protect us from deportation and you also take care of us till we get a better life in Germany. We will never dream that we can get this kind of help and you are the ones who helped us to achieve those dreams.“ *
Ein anderes schönes Feedback haben wir aus Venezuela erhalten, von Marian von der Kooperative CECOSESOLA, die unsere Aktivitäten zur Unterstützung von Geflüchteten einige Wochen lang begleitet hat: „[…]es war wunderbar, diese compañeros mit all diesen Lebensgeschichten kennenzulernen, mit diesem sehr menschlichen Willen, für ein besseres Leben zu kämpfen und mit diesen unterschiedlichen Arten, das Leben zu sehen, die nicht deshalb weniger wichtig wären.
[…]Es ist egal woher wir kommen, welche Sprache wir sprechen und welche Hautfarbe wir haben, denn es gibt andere Gefühle, die uns verbinden und die eine universelle Sprache haben.“

Ein paar Zeilen zum Geld:
Unsere Kampagne für Dauerspenden hat dazu geführt, dass wir zuletzt 460 Euro pro Monat von Dauerspender_innen bekommen haben. Für ein paar Monate waren es sogar schon mal 565 Euro pro Monat. Darüber hinaus haben wir auch viele und teils hohe einmalige Spenden erhalten. Einige Kirchengemeinden und seit neuerem auch der Kirchenkreis Barnim tragen ebenfalls zur Nothilfe der Geflüchteten bei. Seit Beginn der Spendenkampagne im Mai wurden insgesamt etwa 11.000 Euro gespendet und bisher etwa 9000 Euro ausgegeben. Mindestens 16 Menschen konnten wir für die Zeit der größten Not mit der Übernahme von Anwaltskosten und/ oder mit einem Taschengeld für persönlichen Bedarf, Fahrtkosten, usw. unterstützen. Weiterhin benötigen wir für die aktuellen Unterstützungsbedarfe 800-1000 Euro pro Monat und bitten euch daher um weitere Spenden.

Zum Schluss noch ein schönes Beispiel von Solidarität: Auf den Spendenaufruf der Kooperative in Venezuela hin haben auch sechs Menschen aus Somalia beschlossen, 120 Euro zusammenzulegen und dort hinzuschicken.

Barnim für alle – Barnimer Unterstützungsnetzwerk für Geflüchtete
http://refugeeswelcomebarnim.blogsport.de/
Kontakt: refugees-welcome@so36.net
Spendenkonto:
IBAN: DE78 1705 2000 1110 0262 22 , Sparkasse Barnim;
Konto-Inhaber: Barnim für alle; Verwendungszweck: Unterstützung

Dieser Rundbrief als pdf

*Übersetzung:
„Zuerst wollen wir euch danken für eure Hilfe – ihr habt uns mit vielen Dingen geholfen, zu unserem Schutz und um unser Leben glücklich zu machen. Ihr habt uns beschützt wie Brüder, Familien und eure Kinder. Ihr habt uns vor der Abschiebung geschützt und ihr kümmert euch um uns bis wir ein besseres Leben in Deutschland haben. Wir werden uns nie träumen lassen dass wir solche Hilfe bekommen, und ihr wart die, die uns geholfen haben, diese Träume zu erreichen.“


0 Antworten auf „„Keine Abschiebungen aus dem Barnim!““


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


fünf − = vier