Von der Ein- zur Ausbildung….

Die AG­Be­ra­tung (AGB) ver­öf­fent­lich re­gel­mä­ßig eine Ko­lum­ne in der CON­TRAS­TE. Hier die Num­mer 25:

Wir sind nicht gerade zimperlich, wenn es um die Anforderungen geht, die wir uns selber in Gemeinschaftsprojekten persönlich abverlangen. Natürlich ehrlich und offen untereinander, solidarisch füreinander, gleichberechtigt miteinander und geschlossen im gemeinsamen Voranschreiten für das Projektziel.

Dazu gehören in aller Regel verschiedene gewünschte individuelle Fähigkeiten, Wissen, Fertigkeiten und am besten auch noch gewisse Erfahrungen. Die können u.a. darin bestehen, dass ich Kompromissbereitschaft ohne Selbstaufgabe gelernt und gruppendynamisch angepasste und natürlich achtsame Kommunikationsfähigkeiten beherrsche. Den Blick – neben den Details und Einzelfragen – für die Gesamtentwicklung eines Projektes zu bekommen und behalten, ist stets sehr gefragt. Die regelmäßige Verortung meines Vorhabens in das soziale, politische und wirtschaftliche Umfeld und Analyse der sich verändernden Bedingungen ist von sehr großem Vorteil. Besonders auch der darüber mögliche, jedoch auch nötige Blick voraus, was kommt auf meine Gruppe zu, welche bedrohliche Klippen zwingen zur Kurskorrektur? Weiterhin sind für die Realisierung von Projekten Verlässlichkeit der Mitstreiter_innen, ihre Hartnäckigkeit, kreative Zielstrebigkeit, Geduld und Durchhaltevermögen tragend. Oft steht im Verbund damit eine gewisse Leidensfähigkeit und Konfliktresistenz hoch im Kurs. Ein gewisser Fundus an beruflicher Erfahrung, an aktuellem und anwendbarem Fachwissen und -können wird gern gesehen und ist besonders für Kollektivbetriebe von zentraler Bedeutung. Und letztlich sind Kenntnisse in Sekundärtugenden, wie Kassen- und Buchführung, Budget- und Finanzierungsplanung, Arbeits- und Ablauforganisation, Methoden der Entscheidungsfindung, Fundraising und Förderanträge, Lohnabrechnung und Rechtsformgestaltung, u.v.a.m. von unschätzbarem Wert für die praktische Umsetzung unserer Ideen.

„Das weiß doch jede_r vorher, wer in ein Kollektiv eintritt!!“ So der trotzige und fast empörte Ausruf langjähriger Gruppenmitglieder, wenn es im Plenum kritisch um die persönlichen Ansprüche geht. Besonders wenn beklagt wird, dass dazukommende Mitstreiter_innen angeblich viele bisher festgelegte Aufgaben und Abläufe nicht so erfüllen, wie sie scheinbar doch selbstverständlich sind. Andersherum ein Stöhnen der Einsteiger_innen darüber, dass z.T. wichtige Teilbereiche bisher sträflich und jahrelang vernachlässigt, mangels Wissen oder Interesse geflissentlich ignoriert wurden. Die angebliche Selbstverständlichkeit in den Ansprüchen an persönlicher Fähigkeiten wurden bisher ja auch nicht erfüllt…..

Angesichts der hohen und vielfältigen Erwartungen erscheinen uns viele Einsichten hilfreich zu sein, davon sein hier drei genannt:
1. es kann nicht alles und zu jeder Zeit optimal erfüllt werden, was sinnvoll, nötig und wünschenswert für das Projektleben ist. Sicht- und spürbare Mängel sind eine unvermeidliche Normalität. Sie sind nicht Ausdruck unserer Unfähigkeit, sondern der Größe unserer umfassenden und hohen Ansprüchen.
2. Begegnen wir uns mit Nachsicht, geben wir uns gegenseitig die Chance zur Entwicklung. Vor allem, verlangen wir die Kompensation eigener Unzulänglichkeiten nicht von den anderen der Gruppe….obwohl das sehr beliebt ist.
Und letztlich 3. ist es angemessen, wenn wir das Erwerben und Erlernen der genannten Eigenschaften (auch) als gemeinsame Ausbildung begreifen. Wenige bringen entsprechende Vorerfahrungen z.B. aus einer politischen Bewegung, von Haus-, Platz- oder Grubenbesetzungen, von Streiks an Schulen oder studentischer Eigenorganisation, etc. biografisch bereits ausreichend mit. Alle Projekte haben die Aufgabe interne Lernfelder gezielt zu organisieren und diese attraktiv zu machen. Aus unserer externen Sicht wird das durchgehend in Gemeinschaften viel zu wenig als ernsthaften Auftrag begriffen!

„Ich bin Mitglied/Kollektivist_in einer Gemeinschaft.“ Das beschreibt vorrangig das Wollen und nicht das bereits dafür erreichte Können. Also bilden wir uns nicht zu viel darauf ein, sondern besser aus!


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