Barnim für alle! Neues von der Spendenkampagne „Keine Abschiebungen aus dem Barnim!“

Februar 2019

Seit Sommer 2017 läuft unsere Spendenkampagne. Im Februar 2018 haben wir das letzte Mal berichtet. Vom vergangenen Jahr gibt es einiges zu erzählen:

Aktionen, die Mut machen
Entwicklungen, die Sorgen machen
Was aus unterstützten Menschen geworden ist
Was wir mit euren Spenden gemacht haben

Vorweg noch etwas, das uns traurig macht: Der plötzliche Tod von Jesjef Debese (1974-2018). Geboren in Eritrea, aufgewachsen in Berlin, war er eine Brücken-Person zwischen Sprachen und Kulturen. Jesjef hat vielen Geflüchteten und uns nicht nur durch Übersetzen und Dolmetschen geholfen. Seine Herzlichkeit und Wärme, sein Witz und sein Engagement werden uns fehlen!

Wellcome United Parade Hamburg 29.9.18

Pfeif auf Abschiebung

Aktionen, die Mut machen
Auch die massive Stimmungsmache gegen Geflüchtete in vielen Bereichen macht uns traurig, aber wir haben 2018 auch starke Momente erlebt:
Für viele der Höhepunkt des Jahres war die „We‘ll come united-Parade“ in Hamburg am 29.9.2018, zu der wir mit 3 Bussen und etwa 90 Menschen aus dem Barnim angereist sind, die meisten davon Geflüchtete. Wir haben den Brandenburg-Truck mitgestaltet (Bilder oben) und waren begeistert und beeindruckt von den 30.000 Menschen und der Vielfalt der bunten Wägen mit dem Oberthema: „Stop Abschiebungen!“. Im Vorfeld gab es ein Soli-Fest in Eberswalde, viele Besuche in den Heimen, viele Vorbereitungen, an denen sich Geflüchtete und Hiergebliebene beteiligten.
Kurz vor der Parade kamen zu einem „Solidarisches Abendessen unter der Eiche“ am Marktplatz in Biesenthal unerwartete 250 Menschen, angelehnt an den #unteilbar-Aufruf und aus dem traurigen Anlass rassistischer Vorfälle vor Ort:

Solidarisches Abendessen in Biesenthal

Nicht ganz so viele aus dem Barnim waren wir bei der #unteilbar-Großdemo in Berlin am 13.10., an der insgesamt 240.000 Menschen teilnahmen und ein Zeichen gegen den Rechtsruck setzten. Unter dem Motto „#unteilbar Eberswalde“ gab es bereits zwei Demos und gründet sich gerade ein neues Bündnis, an dem wir uns auch beteiligen, gegen die rechten Mobilisierungen.
Die bundesweiten „Seebrücke“-Aktionen fanden auch in Bernau und Biesenthal Widerhall.
Anfang des Jahres haben wir vor dem Grundsicherungsamt für „Gleiche Rechte für alle“ demonstriert und konnten für viele Geflüchtete erwirken, dass sie die ihnen zustehenden Leistungen erhalten. (Wer etwas mitbekommt, dass Menschen nicht ausreichende Leistungen erhalten, informiert uns bitte!)

Zum Café Mensch – Eiscafé mit Geflüchteten und Hiergebliebenen, das im Sommer monatlich stattfand, kamen jeweils über 50 Gäste. Im kommenden Sommer wird es wieder stattfinden, genauso wie das Biesenthaler Begegnungscafé (Termine siehe unten).

In die Reihe der mutmachenden, für mehr Menschlichkeit einstehenden Aktionen will sich auch die Erklärung zum Barnimer Bürger*innen-Asyl einreihen, die am 15.02.2018 veröffentlicht wird und an der wir uns beteiligen. „Wir wollen von Abschiebung bedrohten Menschen Asyl gewähren. Wir werden Zufluchtsorte schaffen und notfalls die Menschen verstecken, die in Krieg, Verfolgung und Not zurückgeschickt werden sollen.“, steht in der Erklärung – mehr dazu ab dem 15.02.2018 auf www.b-asyl-barnim.de Auf die Reaktionen und daraus entstehenden Debatten sind wir sehr gespannt.

Entwicklungen, die Sorgen machen
Leider haben wir 2018 auch erstarkende rechte Demos in Eberswalde und Bernau sehen müssen – auch wenn jeweils ähnlich viele Gegendemonstrant_innen wie Rechte da waren.
In Eberswalde, in Biesenthal, wahrscheinlich im ganzen Barnim gab es mehr rassistische Übergriffe und Anfeindungen als bisher. Häufig sind es „nur“ rassistische Sprüche, die bei den Betroffenen ein Klima der Angst erzeugen. Wer solche Situationen mitbekommt: Greift ein und meldet die Situationen an mailto:SOSrassismusbarnim@posteo.de !
Die Anzahl von Abschiebungen aus dem Barnim war zwar im Vergleich zu 2017 geringer, aber ein Trend ist daran nicht abzulesen: Für viele der vor einigen Jahren Angekommenen werden möglicherweise bald alle juristischen Wege ausgeschöpft sein und Abschiebungen in die Herkunftsländer drohen. In Brandenburg sollen neu angekommen Asylbewerber_innen künftig noch länger in der Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben, um sie direkt von dort aus abzuschieben. Dabei ähneln diese Einrichtungen in Wünsdorf, Eisenhüttenstadt, Doberlug-Kirchhain und Frankfurt/ Oder schon jetzt den „Ankerzentren“, die auf Bundesebene propagiert werden.
Die Bedingungen für die Anerkennung vom Kirchenasyl durch das BAMF wurden verschärft, was wahrscheinlich dazu führt, dass mehr Menschen längere Dublinfristen zu befürchten haben. Die neuen Bedingungen machen es schwerer, sind aber deshalb noch lange nicht das Ende des Kirchenasyls.

Was aus den unterstützten Menschen geworden ist
In den letzten beiden Jahren konnten wir viele Menschen in der besonders bedrohlichen Zeit der Abschiebegefahr unterstützen. Mit vielen sind wir weiterhin in Kontakt. Viele, vor allem aus der Diktatur Eritrea, haben die Anerkennung als Flüchtlinge bekommen, andere warten noch darauf oder müssen gegen Ablehnungen klagen und bangen weiterhin um ihre Bleibe-Perspektive. Auch die Anerkannten finden meistens keine Wohnungen und wohnen weiter in den Heimen, obwohl diese für Anerkannte gar nicht mehr zuständig sind. Auf dem ohnehin sehr schwierigen Wohnungsmarkt ist es für Geflüchtete besonders schwer, einen Mietvertrag zu bekommen. Das Wohnprojekt des afrikanischen Kulturvereins Palanca in Eberswalde wirkt dem entgegen, indem ein Verein Wohnungen im Brandenburgischen Viertel anmietet, die an Geflüchtete untervermietet werden. Die etwa 20 Bewohner der Wohnungen helfen sich gegenseitig beim Renovieren und entscheiden gemeinsam, wer weitere Wohnungen bekommt. Solche selbstorganisierten Projekte können allerdings den Bedarf an viel mehr Sozialwohnungen für alle nicht decken – da muss auch die Politik sich ändern.
Die meisten konzentrieren sich auf Deutsch lernen, viele sind in Sprachkursen untergekommen, manche besuchen selbstorganisierte ehrenamtliche Sprachkurse. Alle wollen gern arbeiten, aber auch das ist nicht einfach und viele brauchen eine Erlaubnis der Ausländerbehörde. Jobs gibt es am ehesten in Logistikunternehmen – Pakete schleppen, Briefe sortieren – oder am Fließband.

Was wir mit euren Spenden gemacht haben
In 2018 haben wir im Durchschnitt 400 Euro pro Monat Dauerspenden erhalten. 2017 waren es schon einmal etwas mehr. Dazu kamen aber viele, darunter einige wenige hohe, Einzelspenden, so dass wir 2018 insgesamt etwa 10.000 Euro Spenden erhalten haben.
Mit diesem Geld konnten wir wie im Vorjahr von Abschiebung bedrohte Menschen, die keine staatlichen Leistungen erhalten, mit einem Taschengeld, Anwaltskosten, Fahrtkosten, Gesundheitskosten unterstützen. Mindestens 18 Personen haben im letzten Jahr diese Art Hilfe von uns bekommen, im Durchschnitt haben wir 1500 Euro pro Monat dafür ausgegeben. Dies war nur möglich durch einmalige zusätzliche Unterstützungsgelder. Langfristig sind wir auf eine Erhöhung der Spenden angewiesen.
Dabei gilt wie immer: Jede Spende hilft – ob klein oder groß, regelmäßig oder einmalig!

Barnim für alle –
Barnimer Unterstützungsnetzwerk für Geflüchtete

Termine, Veranstaltungen:
refugeeswelcomebarnim.blogsport.de/
Kontakt: mailto:refugees-welcome@so36.net

Barnimer Bürger*innen-Asyl: b-asyl-barnim.de

Biesenthaler Begegnungscafé –
immer am zweiten Montag im Monat, 16 Uhr, im Gemeindehaus, Schulstr, 14

Spendenkonto:
IBAN: DE78 1705 2000 1110 0262 22
Sparkasse Barnim
Konto-Inhaber: Barnim für alle
Verwendungszweck: Unterstützung

Wir können für dieses Konto keine Spendenbescheinigungen ausstellen.


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