8.Mai: Tag der Befreiung in Biesenthal

Nicht nur in Bernau, auch in Biesenthal wurde der Tag der Befreiung zum Anlass des Erinnerns und Mahnens genommen – mit einer Plakat-Installation am Markt und dem stillen Gedenken an den Steinstelen für die Zwangsarbeiter*innen in Biesenthal.

Am Biesenthaler Markt wurden für das Wochenende Plakate installiert, die sich den Aufrufen des Welcome United Netzwerks nach „Entnazifizierung jetzt!“, der VVN-BdA und der Überlebenden Esther Bejarano, den 8. Mai zum Feiertag zu machen und der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark anschlossen.

Vor zwei Wochen, anlässlich des Jahrestags der Befreiung der KZs Uckermark und Ravensbrück, waren ähnliche laminierte Plakate von Menschen mit menschenverachtenden Einstellungen zerschnitten und weggeworfen worden. Die Initiative „Barnim für alle“ reagiert darauf mit einem „Jetzt erst recht“ und hat angekündigt, übers Wochenende regelmäßig zur Eiche zu kommen und neue Plakate aufzuhängen, falls sie wieder verschwinden sollten.

Stilles Erinnern mit Blumen fand an den Steinstelen für die in Biesenthal erlittene Zwangsarbeit in der Nazizeit statt. Die ersten fünf Stelen konnten am 5. und 6.5. endlich aufgestellt werden. Die Stele auf dem Bild oben am Pendlerparkplatz neben dem Biesenthaler Bahnhof erinnert an die italienischen Militärinternierten, die in einem Barackengelände auf dem gesamten heutigen Aldi-Areal untergebracht waren. Dort befand sich auch eine Schule für Kriegshunde der SS.

Die Stele am Wanderweg beim Heideberg (auf dem Weg zum Sportplatz) erinnert an das Barackenlager tschechischer Zwangsarbeiter auf dem Heideberg. In den Jahren 1942 bis 1944 wurden ganze Jahrgänge junger Tschechen zur Zwangsarbeit nach Nazideutschland geschickt und mussten u.a. aus den Bombentrümmern Berlins Tote und Wertgegenstände bergen.

Die Stele am Prendener Weg/ Ecke Uhlandstr. erinnert an das Barackenlager PAULA, das die Wehrmacht wie das am Heideberg ab 1942 durch die Organisation Todt errichten ließ. Berliner Behörden hatten wegen der verstärkten Bombadierung Berlins, Dienststellen u.a. nach Biesenthal verlegt. Im Gebiet PAULA wurden von tschechischen Zwangsarbeitern 21 Baracken und 36 kleine Holzhäuser für Offiziere und ihre Familien bereits seit Oktober 1943 als Ausweichunterkünfte für Sonderstäbe der Obersten Reichsbehörden errichtet. Einige Behelfsheime aus Stein entstanden in der Nähe für die Angestellten der PAULA. In zwei dieser Baracken wohnte die SS-Wachmannschaft des KZ Außenlagers Sachsenhausen im Lager PAULA.

Die Stele vor dem Mirabellenhof in der Grünstr. 11 gedenkt exemplarisch der polnischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die auf den Bauernhöfen Biesenthals arbeiten mussten.

Adrianus Millenaar schaffte es als Gesandter, Gefangene aus den Konzentrationslagern freizubekommen. Er wohnte in der Neuen Mühle, daher erinnert eine Stele in der Plottkeallee/ Ecke Neue Mühle an diesen stillen Helden.

Im vergangenen Sommer waren diese Stelen in einem Projekt der Naturschule Barnim zusammen mit einer Schulklasse aus Semily/ Kreis Liberec (Tschechien) und einem Steinbildhauer entworfen und hergestellt worden. (Hier findet sich ein Artikel darüber aus der Märkischen Oderzeitung). Schüler*innen der Naturschule hatten auch einen Film zum Thema Zwangsarbeit in Biesenthal gemacht.

Erst noch aufgestellt werden die Stelen zur Erinnerung an das Außenlager des KZ Sachsenhausen an der Hellmühle und für die französischen Kriegsgefangenen, die in der Rüstungsproduktion am Vorwerk arbeiten mussten. Einige dieser französischen Kriegsgefangenen sollen erfolgreich Sabotage in der Produktion betrieben haben – zumindest wurden nach einem aufgrund nicht explodierender Bomben fehlgeschlagenen Bombenangriff ca. 10 französische Zwangsarbeiter am Vorwerk der Sabotage beschuldigt und von der Gestapo abgeholt, wie die Biesenthaler Ortschronistin Gertrud Poppe herausgefunden hat.

Auch in Biesenthal gilt: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!


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