Quarantäne im Geflüchteten-Wohnheim in Bernau-Waldfrieden

Presseerklärung, 29.05.2020

Quarantäne im Geflüchteten-Wohnheim in Bernau-Waldfrieden –
erster Bewohner postiv auf Covid-19 getestet

Geflüchtete im Barnim können Corona-Abstandsregeln nicht einhalten – „Barnim für alle“ fordert die Unterbringung in Wohnungen statt in Heimen

In Geflüchteten-Wohnheim in Bernau-Waldfrieden ist der erste Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden und befindet sich nun im Krankenhaus. Etwa 20 Bewohner*innen wurden daraufhin unter Quarantäne gestellt.

Das wichtigste Gebot in den letzten Wochen war „Abstand halten“. Und es steht zu befürchten, dass wir auch in der kommenden Zeit darauf achten müssen unnötige Kontakte zu vermeiden. Viele Geflüchtete im Barnim können aber keinen Abstand halten. Sie wohnen in sogenannten Übergangswohnheimen (Basdorf, Bernau-Waldfrieden, Eberswalde, Joachimsthal, Oderberg, Ützdorf, Wandlitz) in sehr beengten Verhältnissen ohne Privatsphäre in Mehrbettzimmern. Sie müssen sich die Kochräumlichkeiten und Sanitäranlagen teilen.

Für einen wirksamen Infektionsschutz ist die Massenunterbringung in sogenannten „Übergangswohnheimen“ völlig ungeeignet und setzt die Bewohner*innen einem hohen Risiko aus. Zahlreiche Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke und andere Risikogruppen leben weiterhin in den Massenunterkünften. „Im Heim können wir keinen Abstand halten“, sagt Reza* aus dem Geflüchteten-Wohnheim in Bernau-Waldfrieden. „Wir müssen uns eine kleine Küche mit 15 Personen teilen.“ In einem Heim in Henningsdorf (Oberhavel) können Bewohner*innen seit vielen Wochen das Heim nicht mehr verlassen, weil die Quarantäne immer wieder verlängert wird..

Die Form der Unterbringung in großen Wohnheimen sorgt für Stress, macht krank, verstärkt und führt zu weiteren Traumatisierungen. Die Initiative „Barnim für alle“ fordert seit Jahren eine schnellstmögliche dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Wohnungen. Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass den bei uns Schutz suchenden Menschen genauso viel Wohnraum zugestanden wird, wie den Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft.

Vor allem in Eberswalde gibt es weiterhin einen hohen Wohnungsleerstand. Diese Wohnungen sollten schnellstmöglich in einen nutzbaren Zustand versetzt und als Wohnraum für Menschen in dieser Stadt – somit auch Geflüchteten – zur Verfügung gestellt werden. Im berlinnahen Raum dagegen fehlt es an leerstehenden Wohnungen. Hier ist der Einstieg in den sozialen Wohnungsbau dringend notwendig.

Viele Geflüchtete brauchen nach ihrer Ankunft in Deutschland ärztliche und psychologische Begleitung. Sie müssen sich völlig neu orientieren und dürfen keine Fristen versäumen. Es ist sehr wichtig, dass sie schnell Kontakt zu Menschen finden, die ihre Sprache sprechen. Auch deswegen sind sie besonders auf eine funktionierende und bezahlbare Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Auch die Chance, Kontakte zu knüpfen und Unterstützung zu erfahren, steigt mit der Größe der Orte. Wir fordern darum, Flüchtlinge nur in den größeren Ortschaften entlang der Barnimer Bahnlinien unterzubringen.

Die Initiative „Barnim für alle“ ruft in breitem Bündnis zu einem Aktionstag am 1. Juni in Potsdam auf. Der Aktionstag mit Fahrraddemonstrationen und Kundgegeben steht unter dem Motto „Alle Lager abschaffen! Wohnungen statt Massenunterkünfte! EU-Lager evakuieren“.

*Name geändert

Kontakt: 0163-8510186
http://refugeeswelcomebarnim.blogsport.de/
refugees-welcome@so36.net


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