Die Projektewerkstatt auf Gegenseitigkeit ist der Zusammenschluss von Menschen, die mithilfe der Stiftung „Dissidente Subsistenz“ kollektive, solidarische und antikapitalistische Wohn- und Lebensverhältnisse ermöglichen bzw. verwirklichen wollen. (Selbstverständnis 2019)

Unser Grundverständnis ist:
1. Konservativ – wir bewahren und wertschätzen menschliche Qualitäten und soziale Beziehungen und schonen und verteidigen natürliche Ressourcen.
2. Konfrontativ – wir positionieren uns gegen kapitalistische, anti-demokratische, patriarchale oder rassistische Machtansprüche.
3. Kollektiv – wir wenden uns gegen das Privateigentum an Wohn- und Lebensraum als Profitquelle, wir bestreiten das Recht auf Akkumulation von Eigentum und fühlen uns der Kultur der Commons verbunden.
4. Dissident – wir organisieren unseren Alltag nach Möglichkeit außerhalb der oder gegen die kapitalistischen Verwertungsbedingungen und Gewaltverhältnisse.
5. Subsistent – wir versuchen, durch das Prinzip gegenseitiger Hilfe die Abhängigkeit vom kapitalistischen Markt zu minimieren und damit das Wachstumsdiktat in der Gesellschaft zu unterlaufen.
6. Aufbauend – wir verfolgen den Aufbau einer widerständigen Sozialität, zu der als zentraler Punkt das Schaffen und Aufrechterhalten von kollektiven Wohn- und Lebensorten gehört.
7. Gegenseitig – wir PaG-Mitglieder helfen uns, beraten und kritisieren uns gegenseitig und sind in einem ständigen gemeinsamen Lernprozess. Dabei begreifen wir uns als solidarisches Netzwerk, in dem wir uns ohne aufzurechnen unterstützen.
8. Vertrauensvoll – wir bemühen uns darum, dass unsere Beziehungen unter­einander nicht auf Schuld- oder Rechtsverhältnissen beruhen, sondern auf Vertrauensverhältnissen.
9. Persönlich – unsere Zusammenarbeit basiert auf lebendigen persönlichen Beziehungen. Der gegenseitige Austausch und das Kennenlernen der anderen Projekte ist uns wichtig.
10. Konstruktiv – wir arbeiten an der Erforschung und Entwicklung einer selbstermächtigenden, robusten Kommunikations- und Entscheidungskultur, die versucht, den Schwierigkeiten im Zusammensein konstruktiv und einander zugewandt zu begegnen.
11. Streitbar – wir betreiben eine bewusste emanzipative Konfliktkultur und handeln Differenzen auf der Basis von Aufrichtigkeit und Respekt aus, wobei es die Kategorien des Gewinnens und Verlierens nicht geben soll.
12. Kooperativ – wir wollen weder untereinander noch im gesellschaftlichen Umfeld konkurrieren, sondern suchen die Kooperation.
13. Antiautoritär – Machtstrukturen und autoritäre Hierarchien, die auch unter uns immer wieder neu entstehen, versuchen wir uns bewusst zu machen und ihnen aktiv zu begegnen.
14. Verantwortlich – wir sind uns der Verantwortung füreinander, für die gemeinsam genutzten Ressourcen, auch für die nachfolgenden Generationen, bewusst. Die Verantwortung endet nicht im Moment des Scheiterns einer Gruppe, was immer möglich sein kann. Dann braucht sie die Unterstützung von uns anderen in besonderer Weise.
15. Solidarisch – wir vergessen nicht, dass wir Teil einer Weltgemeinschaft sind, in die wir auf vielfältige Weise verstrickt sind. Daraus erwächst uns eine Verantwortung, die auch in die praktische Gestaltung unserer Projekte hineinreicht.
16. Transparent – wir informieren uns gegenseitig über die Vorgänge in unseren Arbeitsgruppen und Projekten und versuchen, auch im Alltag transparent zu kommunizieren. Die Teilnahme anderer PaG-Mitglieder an Gruppenprozessen wünschen wir uns.
17. Vertraut – das gewachsene gegenseitige Vertrauen hilft uns dort, arbeitsfähig zu bleiben, wo im Alltag nicht jedes Detail für alle nachvollziehbar ist.
18. Verlässlich – wir nehmen Absprachen untereinander ernst und fühlen uns an das gebunden, was wir gemeinsam vereinbart haben.
19. Beweglich – Ziel unserer Auseinandersetzungen ist es nicht, starr an den Übereinkünften festzuhalten, die einmal beschlossen wurden. Stattdessen bleiben wir beweglich und nutzen sie als Orientierungsrahmen, um uns in Prozesse zu begeben, in denen neue Übereinkünfte geschlossen werden können.
20. Offen – wir sehen uns als Teil eines offenen Netzwerkes von ähnlich Denkenden, reduzieren uns nicht auf die sogenannten eigenen Zusammenhänge.
21. Inspirierend – wir wollen mit unserem Experiment andere inspirieren, Ähnliches auszuprobieren. Unsere Erfahrungen möchten wir innerhalb der linken Bewegung teilen und zur Verfügung stellen.
22. Leider langsam – unser Alltag spielt sich zwischen Ungeduld und Überforderung ab. Insgesamt teilen wir die Erfahrung: gute Entwicklungen brauchen Zeit. Die müssen wir uns nehmen, auch beim Kennenlernen neuer Projekte. Deshalb werden wir nur langsam wachsen.
23. Subversiv – solange wir in einer Stiftung und anderen rechtlichen Konstrukten organisiert sind, gibt es Spielregeln, die uns formale rechtliche Verbindlichkeiten aufzwingen. Diese Rechtsformen verlangen eine Art persönlicher Verantwortlichkeit, die möglicherweise im Gegensatz zu unseren kollektiven Vorstellungen und inneren Organisationsformen steht. Hier müssen wir achtsam bleiben, Verantwortung zusammen übernehmen, dabei formale Hierarchien und Expert*innentum Einzelner durch solidarische Kritik immer wieder ausgleichen.